Weihnachtsgeschichte Sonne Segen und Schnee - XMAStotal.de - Wir leben Weihnachten!

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Geschichteneinzel

Sonne, Segen und Schnee

Ich wachte auf vom Getuschel meiner Schwestern. Was die wohl immer zu beschnattern hatten? Langsam blinzelte ich und wunderte mich, warum es so hell war. “Die Sonne scheint! Oh nein, doch nicht heute! Liebe Sonne, du kannst an 364 Tagen im Jahr scheinen, aber bitte bitte nicht heute!”
Denn heute war Heilig Abend. Das Jahr war sooo lang gewesen und nun endlich, endlich war er da - der heilige Abend. Ich lächelte still in mich hinein, reckte und streckte mich. Raus aus den Federn! Heute ist ein besonderer Tag.
Ich lief in die Küche und sah meine Mama am Herd stehen. Schon seit Tagen war sie am Backen und Kochen und Brutzeln und... hmmm, ich rieche Gänsebraten und Rotkohl. Lecker!
Meine Mama entdeckte mich, wie ich barfuss im Nachthemd im Türrahmen der Küche stand. “Guten Morgen, fröhliche Weihnachten wünsche ich dir.” “Das wünsche ich dir auch.” Ich verschwand im Bad und hörte meine Mutter noch sagen: “Beeil dich bitte. Und wecke dann deine Brüder und Schwestern. Danach hilfst du mir beim Frühstückstisch decken. Ich hab schon ein wenig damit angefangen.”
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen! Nach eine schnellen Katzenwäsche lief ich zur Jungsstube, riss die Tür auf, schaltete das Deckenlicht an und lachte “Guten Morgen, liebe Brüder. Aufgewacht und mitgemacht. Heute ist Weihnachten.” Als Antwort kam ein verschlafenes Brummeln. Dann wollte ich dasselbe in der Mädchenstube, in welcher meine Schwestern immer noch tuschelnd in den Betten lagen, machen. Aber meine Schwestern mussten mich wohl gehört haben und kaum, dass ich die Tür und meinen Mund öffnete, kam mir ein Kopfkissen entgegen geflogen. Na wartet! Ihr kriegt heute nichts vom Weihnachtsmann, lachte ich.
Als ich in die kleine Stube kam, in welcher wir frühstückten, stand dort der geschmückte Tannenbaum in der Ecke auf dem alten Nähmaschinenschrank. Gestern Abend kam - wie in jedem Jahr - mein Onkel und half beim Schmücken. Eigentlich ging es gar nicht so sehr ums Schmücken, sonder eher darum, Weihnachten gemeinsam zu beginnen. Unser langer Esstisch war bereits mit einer weißen Tischdecke und roten Servierten belegt. In der Mitte stand eine Kerze und grüne Tannenzweige standen drum herum.
Nach dem gemeinsamen Frühstück waren meine Schwestern und ich für den Abwasch verantwortlich. Ich stellte meist das Geschirr weg, weil ich es dann am liebsten mochte, da es so schön sauber und warm war und außerdem war das Wegstellen mit der wenigsten Arbeit verbunden. Der Abwasch dauerte etwa eine halbe Stunde. Danach zogen mein Bruder und ich uns an und gingen zu meiner Großmutter, die einige Straßen entfernt wohnte. Als wir auf die Straße traten, schien uns die Sonne mitten ins Gesicht. Ausgerechnet heute, murrten wir. Meine Großmutter erwartete uns bereits. Sie stand in der schönen Holztür ihres Hauses und lächelte uns mit ihrem runden Märchenoma-Gesicht an. “Hallo, ihr zwei. Fröhliche Weihnachten wünsche ich.” Mein Bruder schnappte sich den Einkaufswagen, in welchem Oma die Geschenke gestopft hatte. Mit Freude sah ich, dass der Reißverschluss stark gespannt war. Der Wagen war bis zum Rand gefüllt. Ich hakte mich bei Oma ein, reichte ihr ihren Gehstock und auf gings nach Hause. Auf dem Rückweg wurde viel erzählt und gelacht und so langsam verschwand die Sonne, was wir erleichtert feststellten.
Pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder daheim. In der Küche duftete es nach warmen Kartoffelsalat und Mama passte auf, dass die Bockwürste im heißen Wasser nicht aufplatzten. Unser traditionelles
“Heilig-Abend-Menü”. Auch wenn es Kartoffelsalat und Bockwurst öfter mal im Laufe des Jahres gab - am Heiligen Abend schmeckte es einfach am besten. Der lange Esstisch in der Stube war festlich geschmückt und das gute Geschirr wurde in einem extra Fach des Kachelofens vorgewärmt. Oh wie fein sah das alles aus, so heimelig. Eine ganz besondere Atmosphäre machte sich im Haus breit.
Die gemeinsamen Essen dauerten immer sehr lang. Das war von allen so gewünscht und gewollt. Es wurde immer viel erzählt und nach dem Essen dauerte der Abwasch in der Küche entsprechend lang, da bei so vielen Menschen auch viel Geschirr zu reinigen war. Meist waren mir mit Essen und mit der Küche erst gegen 14 Uhr fertig. So dass im Anschluss daran gleich der Kaffeetisch gedeckt werden konnte. So war es auch an diesem Tag. Neben Stollen gab es auch Pfeffernüsse, dampfenden Kaffee und leckeren Kakao für uns Kinder. Dazu schmückten immer Kerzen und Tannenzweige den weihnachtlichen Tisch. Doch halt, etwas war anders als an den anderen Sonntagen des Jahres. Mama trieb uns zur Eile an, denn die Kirchenglocken läuteten bereits.
Gemeinsam ging es zur Christmesse. Ich liebte unsere Kirche mit den uralten knorrigen Bäumen vor dem Eingangstor. Während des Gottesdienstes schaute ich ohne Unterlass auf das Altarbild und konnte mich nicht daran satt sehen. Dort stand unter dem Bild “Lasset die Kindlein zu mir kommen”. Und so fühlte ich mich auch: angekommen, angenommen, geborgen in meiner Familie. Die elektrischen Lichter gingen aus und nur noch die Kerzen an der hohen Tanne flackerten gemeinsam mit den Kerzen, die überall in der Kirche aufgestellt waren. Die Orgel begann ihr Vorspiel und die Gemeinde sang andächtig “Stille Nacht, Heilige Nacht”. Langsam und fast bedächtig standen alle Besucher auf. Aus dem Glockenturm läuteten die Glocken ihr langes Spiel und verkündeten Frieden und Ruhe. Ich ging mit meinen Geschwistern, mit meiner Mama und meiner wunderbaren Märchenoma aus der Kirche und leise viel Schnee auf die Erde. Ich fühlte mich froh und leicht und behütet in dieser Nacht.
Möge dein Weg dir freundlich entgegen kommen, möge der Wind dir den Rücken stärken.
Möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der Regen um dich her die Felder tränken.
Und bis wir beide, du und ich, uns wieder sehen möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

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