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Päckchen für Ottilie Krause

Es klingelte nun schon zum dritten Mal an der Wohnungstür. Ottilie Krause, die am Küchentisch saß und ein Kreuzworträtsel löste, hatte das Läuten bereits beim ersten Mal gehört. Aber sie wollte niemandem die Tür öffnen. Sie ließ überhaupt keinen in ihre Wohnung. Zum einen, weil man von so vielen Verbrechen hörte,  zum anderen, weil sie Menschen  nicht mehr leiden mochte. Doch jetzt war sie unschlüssig. Wenn jemand in solcher Art Einlass begehrte, wer weiß, vielleicht war Gefahr im Verzug. Womöglich brannte es!  Nun hämmerte eine Faust gegen  die Tür. „Wer ist denn da?", fragte die Frau. „Hier ist der Paket-Dienst“, antwortete eine Männerstimme. „Ja, und was wollen sie denn von mir?"
„Zum Donnerwetter, ich bringe ein Päckchen für sie. Sie sind doch Frau Krause?"
„Ja, natürlich", kam es durch die immer noch verschlossene Tür. „Aber ich habe nichts bestellt!"
„Gute Frau, ob sie was bestellt haben oder nicht, hier ist ein Päckchen für sie. Bitte nehmen sie es in Empfang und quittieren sie, damit ich weiter komme. Schließlich ist heute Heiligabend und ich möchte mit meiner Arbeit fertig werden.“
Jetzt wurde die Tür vorsichtig einen Spalt geöffnet und ein weißhaariger Frauenkopf schob sich hervor. Ottilie Krause musterte argwöhnisch den jungen, großen Mann, der vor ihr stand. Er hielt ein  Päckchen in der Hand und schaute sie freundlich an.
„Von wem ist das denn?"
„Also, das weiß ich nun wirklich nicht!"  Vielleicht ist eine Bombe drin", flüsterte die alte Frau.
„Oder das Päckchen kommt direkt vom Christkind!",  lachte der ihr Gegenüber.
Ottilie Krause kämpfte innerlich einen kurzen Kampf. Die Neugier siegte.
„Geben sie schon her!", meinte sie dann entschlossen. „In meinem Alter fürchtet man sich  nicht mehr vor dem Tod!"
„Na, na“, meinte der Paketbote. „Solche Worte an diesem Tag!",  und er hielt dabei der Frau ein Gerät hin, auf das sie mit einem Spezialstift ihre Unterschrift setzen sollte.
„Wieder so ein neumodischer Kram", murrte die Krause .
Der junge Mann steckte das Gerät ein und reichte ihr das Päckchen.
„Ein frohes Fest wünsche ich ihnen, Frau Krause". Ehe sie es sich versah, umspannte eine warme, feste Hand ihre welke kalte und ein gewinnender Blick traf sie. Die Alte stand wie versteinert. Der Bote war schon fast an der Haustür, da hörte er rufen: „Hallo, junger Mann, kommen sie  noch mal zurück, sie haben etwas verloren!"
Das fehlte gerade noch!, dachte er und stand schon gleich wieder vor der Krause-Tür. „Was habe ich verloren?"
„Na, das hier!" Die Frau drückte ihm etwas in die Hand. „Frohes Fest!  Die
Begegnung mit ihnen war für mich ein wunderschönes Geschenk. Sie ahnen gar nicht, wie schön! "
„Oh! Warten sie ab, bis sie die Bombe ausgepackt haben!" „Mit so etwas scherzt man nicht!" Ottilie schloss  die Wohnungstür und drehte den Schlüssel zweimal im Schloss um. Während der Paket-Bote abermals die Treppen abwärts stürmte, schaute er nach, was ihm die alte Frau zugesteckt hatte. Er konnte es nicht glauben. Es war ein 20-Euro-Schein. Ottilie Krause  machte sich sofort ans Auspacken. Nachdem sie das weihnachtliche Geschenkpapier entfernt  hatte, kam ein dickes Lösungsbuch für Kreuzworträtsel zum Vorschein. Dann war da noch ein Weihnachtsteller mit Keksen, säuberlich mit Cellophan abgedeckt. Dieses Gebäck kam ganz ohne Zweifel aus einer privaten Backstube. Das sah und roch die alte Frau sofort. Eine schlichte, rote Kerze sowie eine Weihnachtskarte lagen bei. Schöne Weihnachten für Sie, liebe Frau Krause, stand auf der Karte - und sonst nichts weiter.
„Hm", murmelte Ottilie. „Irgendwie kommt mir die Handschrift  bekannt vor“. Aber so sehr sie auch ihr Hirn marterte, sie kam nicht drauf, zu wem die Handschrift gehörte. Als es dunkel wurde, legte die Frau das Buch auf den Küchentisch und stellte den Weihnachtsteller daneben. Dann bereitete sie  einen Tee zu, zündete die rote Kerze an. Sie schaltete sogar das Radio an, obwohl überall nur Weihnachtslieder zu hören waren, die sie eigentlich auch nicht mehr leiden mochte, seit sie ganz alleine lebte. Ottilie Krause trank mit Genuss den Tee, knabberte von den köstlichen Plätzchen und beobachtete dabei, wie gegenüber im Haus in den Zimmern an einem Christbaum nach dem anderen die Lichter aufleuchteten.. Auf einmal  war ihr sehr weihnachtlich und wohl zumute.  


Autorin: Jutta Gornik
Veröffentlichung nur mit Genehmigung der Autorin - jgornik@aol.com

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